Weihnachtskonzert 2016

Verfasser: Blasorchester Georgensgmünd
Datum: 22.12.2016 21:58
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Foto: Robert Schmitt

GEORGENSGMÜND – Wieder eine überfüllte Kirche. Wieder eine exzellente Vorstellung. Wieder stehender Beifall für die Akteure. Das zweite Weihnachtskonzert des Georgensgmünder Blasorchesters unter der Leitung von Profi-Musiker Jens Lohmüller war erneut ein großes musikalisches Erlebnis. Etwa 500 Zuhörer waren gekommen, um die Darbietung zu verfolgen. Nachträglich wurden zahlreiche Stühle herbeigeschafft. Doch das genügte nicht. Viele Musikfreunde der Region mussten mit einem Stehplatz vorlieb nehmen. Das Ensemble war für die großen Werke des Abends perfekt vorbereitet und folgte Lohmüller jede Sekunde optimal. Der Trompeter erwies sich einmal mehr als Glücksgriff für das Blasorchester. Fachlich ohnehin auf der Höhe der Zeit, versteht es Lohmüller auch, die etwa 50 Hobby-Musiker verschiedener Altersstufen bestens zu motivieren. Anders wären Leistungen wie die am vergangenen Sonntag von Freizeitmusikern nicht möglich. Der Dirigent hatte diesmal auf ein kurzes, aber intensives Programm gesetzt, das alles andere als ein stille Zeit verkörperte. Überwiegend prächtige Stücke mit großem Klang und enormer Fülle, die vom Ensemble flott und rockig interpretiert worden sind. Der ruhige Höhepunkt war die Filmmusik zu "Schindlers Liste", für die sich die Gmünder Verstärkung aus Nürnberg geholt hatten. Violinistin Conni Schneider erwies sich als kongeniale Ergänzung. Ihr Spiel war ebenso ergreifend wie technisch perfekt. Lang anhaltender Beifall für die Leistung der sympathischen Geigerin. Bereits zum Einstieg hatte Lohmüller ein Stück gewählt, das den ganzen Einsatz seiner Musiker erforderte. "Return to Ithaka" gilt als Werk mit höchstem Schwierigkeitsgrad. Es handelt sich um eine Komposition, mit der Kees Vlak Homers Epos über Odysseus aufgreift. Der griechische Held irrt nach siegreichem Abschluss des Troja-Feldzugs zehn Jahre auf dem Mittelmeer umher und muss lebensgefährliche Abenteuer bestehen, ehe er seine Heimat Ithaka wiedersehen darf. Ein sagenhaftes Stück in doppeltem Sinne also. Die Klänge versetzen die Zuhörer in antike Zeiten und lassen Mythen lebendig werden. Technisch anspruchsvolle Abschnitte sowie lyrisch-malerische Passagen beschreiben den einäugigen Riesen Polyphem, führen auf die Spur der verführerischen Sirenen-Gesänge oder choreographieren die verlockenden Tänze der Nixe Kalypso. Die Filmmusik zu "Schindlers Liste" schrieb der amerikanische Komponist John Williams. Weil er von dem Film enorm beeindruckt war, traute er sich zunächst nicht, dafür zu komponieren. Er befürchtete, dass seine künstlerischen Fähigkeiten für diesen großartigen Film nicht ausreichten. Daher ging Williams auf Regisseur Spielberg zu: „Steven, du benötigst einen besseren Komponisten als ich es bin.“ Darauf der Regisseur: „Ich weiß. Aber die sind alle tot.“ Ermutigt durch diesen Satz schritt Williams zur Tat und komponierte das musikalische Thema des Films. Er spielte es Spielberg am Klavier vor und entschied sich auf dessen Anregung hin, den weltberühmten jüdischen Geiger Itzhak Perlman zu bitten, es für die Aufnahme einzuspielen. Der 1973 in Schopfheim geborene Komponist Markus Götz ist wie Jens Lohmüller Trompeter. Er ist für seine kreativen Ideen bekannt und begeistert mit seiner zeitgemäßen Tonsprache. Als Komponist stellt er den Anspruch an sich selbst, "Musik für die Musiker zu schreiben. Musik, die Amateurmusikern gefällt, sie aber auch fördert und fordert." Mit diesem Credo schuf Götz schon zahlreiche erfolgreiche Werke, die von den Blasorchestern begeistert aufgeführt werden. 2006 komponierte er ein gruselig-humoristisches Musical mit dem Titel "Canterville Ghost". Dessen Vorspiel ist auf zwei musikalischen Säulen aufgebaut. Die symphonische Rockouvertüre liefert Abschnitte, in denen der sinfonische Aspekt im Vordergrund steht, wie virtuose Holzbläserpassagen oder der ruhige Mittelteil mit zarten Soli. Die rockigen Momente sind aber ebenso wichtig. Da lässt es das Gmünder Blasorchester an einigen Stellen so richtig krachen. Antonio Vivaldis "Winter" entstammt den "Vier Jahreszeiten", dem wohl bekanntesten Werk des italienischen Komponisten (1678 - 1741). Wie der Titel bereits nahelegt, werden vor allem Naturerscheinungen imitiert – sanfte Winde, heftige Stürme und Gewitter sind Elemente, die in allen vier Konzerten auftreten. Hinzu kommt im Winter das Schlittschuhlaufen einschließlich Stolpern und Hinfallen. Der zweiteilige Mittelsatz ist wohl der zugänglichste und formal geschlossenste des Zyklus: Er zeigt die Behaglichkeit und Wärme am Kamin, während draußen der Regen an die Scheibe pocht. Der Gegensatz zwischen der Welt im Haus und der unwirtlichen Natur draußen könnte kaum größer sein. Zum Abschluss noch ein Zuckerl: Das wohl bekannteste und populärste Stück der Orgelliteratur. Mit einer Rockversion der "Toccata in D-Minor" von Johann Sebastian Bach zeigte das Ensemble Crossover-Qualitäten. Das diesjährige Weihnachtskonzert des Gmünder Blasorchesters hat an einem geschichtsträchtigen Datum stattgefunden. Just am 18. Dezember vor 50 Jahren ist das katholische Gotteshaus St. Wunibald nämlich geweiht worden. Der Auftritt des Orchesters war also nicht nur eine perfekte Einstimmung auf Weihnachten. Er war auch ein großartiges Kirchweihfest. Dazu leistete das Nachwuchsorchester unter der Leitung von Klarinettistin Nikola Burkhardt einen schönen Beitrag. Unter seinen drei Stücken ragte "What a Wonderful World" hervor, das den blutjungen Musikern exzellent gelang. Ganz richtig: Was für eine wundervolle Welt, wenn das Georgensgmünder Blasorchester spielt.