Kirchenkonzert Blasorchester Georgensgmünd

Verfasser: Blasorchester Georgensgmünd
Datum: 07.12.2017 12:45
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GEORGENSGMÜND – Es war die richtige Entscheidung. Das Weihnachtskonzert zwei Mal anzubieten, damit hat das Blasorchester Georgensgmünd einen Volltreffer gelandet. Knapp 800 Besucher konnten so in der Kirche Sankt Wunibald einen phantastischen Musikgenuss erleben. Dirigent Jens Lohmüller präsentierte jeweils ein kurzes, aber anspruchsvolles Programm. Gaststar war ein Musiker mit einem ausgefallenen Instrument. Stefan Leng aus Mitteleschenbach stellte seine Meisterschaft an der Panflöte unter Beweis. Das Orchester begleitete ihn zu "Einsamer Hirte". Dabei agierte das neue Musik-Paar so, als wäre es schon immer füreinander geschaffen gewesen. Riesenapplaus für den Klassiker von Panflöten-Gott Gheorghe Zamfir. Stehende Ovationen für alle am Ende. Jens Lohmüller hatte für sein mittlerweile 70-köpfiges Blasorchester konzertante Stücke ausgewählt, die in ihren Hauptteilen enorm wuchtig waren und daher vor allem an den Übergängen Präzision und Konzentration erforderten. Das Orchester folgte Lohmüller perfekt Die musikalischen Herausforderungen bewältigte es so makellos und eindrucksvoll, dass jeder Liebhaber mit der Zunge geschnalzt hätte. Nach gut drei Jahren unter der Leitung des Profi-Trompeters hat das Blasorchester Georgensgmünd eine stabile Qualität erreicht, die ihresgleichen sucht. Auf dem Weg zum ganz eigenen Sound hat es innerhalb des jüngst vergangenen Jahres einen bedeutenden Sprung geschafft: Der konzertante Klang beeindruckt ebenso wie die melodiöse Gestaltung. Lohmüllers Arrangements fangen beide Stärken ein: Die des Orchesters und der Komposition. Für den "Einsamen Hirten" hatte er das Instrumenten-Tableau völlig neu geordnet. Das Orchester spannte so einen melodischen Wandteppich auf, vor dem Leng zu glänzen verstand. "Wir wollten keinesfalls dominieren, sondern die Panflöte herausstellen", erklärte Lohmüller. Das gelang ganz wunderbar. "Tannhäuser Festival." So heißt eine eigenständige Zusammenstellung von Teilen der Wagner-Oper, die Alfred Bösendorfer geschaffen hat. Mit einer durchdachten Logik interpretiert der Komponist die Musik Wagners für ein Blasorchester ganz neu und passt sie stilvoll an die Gegebenheiten der vielseitigen Besetzung an. Lohmüller und sein Orchester lassen Klangfarben entstehen, die sich vermutlich auch Richard Wagner selbst exakt so für das Blasorchester vorgestellt hätte. Kamikaze rauschen vorbei, Bomben schlagen in Schiffskörper ein, laute Hilfeschreie und verworrene Befehle vermengen sich zu einem dramatischen Stimmengewirr. "Pearl Harbor", die Titelmusik zum gleichnamigen Kinoerfolg des Jahres 2001, stammt aus der Feder des deutschstämmigen Komponisten Hans Zimmer. Das Gmünder Blasorchester interpretiert den Opener so lebendig und authentisch, dass die eindrucksvollsten Filmmomente förmlich vor dem inneren Auge vorbeiziehen. Die Ouvertüre "König David" beschreibt das Leben des großen Königs von Israel in musikalischen Bildern. Die biblischen Geschichten aus dem Buch Samuel schlagen einen Bogen von der Suche nach einem neuen Herrscher über den Kampf Davids gegen den übermächtig scheinenden Goliath bis zur Königsweihe und dem Einzug der Bundeslade. Dem Werk aus dem Jahre 2016 ist anzumerken, dass sein Komponist von tiefem christlichen Glauben geprägt ist. Georg Stich hat eine eigene Tonsprache gefunden, um eine der größten biblischen Geschichten in unvergesslichen Klängen darzustellen. Das Orchester agiert kongenial: Ergreifender Rhythmus und inbrünstige Fanfaren vereinigen sich zu einer Musik-Erzählung, die Transzendenz in sinnliche Erfahrung fasst. Ein großer spiritueller Moment, der die Zuhörer spürbar fesselt und dem Aufführungsort zugleich eine fantastische Reverenz erweist. Traditionell eingeleitet hat das große Weihnachtskonzert das Nachwuchsorchester. Leiterin Nikola Burkhardt hatte ihre Schützlinge bestens vorbereitet. Die Filmmusik "The Polar Express" stach unter drei Werken deutlich hervor. Der stampfende Zug zieht seine Bahn durch meterhohen Schnee, begleitet von weihnachtlichem Glockenklang. Die jungen Musiker zeigten sich als echte Könner mit einem guten Gefühl für die bedeutendsten Teile ihrer Darbietung. Alles in allem: Jedes Jahr aufs Neue ein exzellenter Genuss. Robert Schmìtt