Blasorchester unternimmt musikalische Weltreise - Weihnachtskonzert der Stadtkapelle Neunburg

Verfasser: Stadtkapelle Neunburg v. W.
Datum: 08.01.2020 21:13
Webseite: https://stadtkapelle-neunburg.de/?p=1829


Solist: Peter Habermeier, Air Poetique

Der Hornist Peter Habermeier steht ganz vorne auf der Bühne. Direkt im Rampenlicht. Den Schalltrichter seines Instruments hat er in die Dunkelheit des Saals gerichtet. Mit viel Feingefühl spielt er sich durch eine sentimentale Melodie, die leise beginnt und die er immer weiter steigert, um sie dann wieder sacken zu lassen und an das Orchester weiterzugeben. Aber schon nach wenigen Takten setzt das Horn wieder ein und baut einen neuen Spannungsbogen auf. Die „Air Poetique for Horn and Band“ von Ted Huggens ist für den Solisten sowohl technisch als auch musikalisch anspruchsvoll. Doch Habermeier bringt sie zum Klingen - und erntet dafür viel Applaus. Sein Auftritt ist ein erster Höhepunkt im Programm des diesjährigen Weihnachtskonzerts der Stadtkapelle Neunburg vom Wald. Das Konzert ist der wichtigste Termin im Vereinsjahr der etwa 70 Musiker aus der Pfalzgrafenstadt. Schon seit 38 Jahren laden sie immer am ersten Weihnachtsfeiertag dazu ein. Sie bieten dem Publikum unter Leitung ihres Dirigenten Markus Held symphonische Blasmusik auf hohem Niveau und schaffen es regelmäßig, dass die Neunburger Schwarzachtalhalle ausverkauft ist – so auch an diesem Abend. Die rund 700 Zuhörer erleben eine experimentierfreudige Stadtkapelle: Im „Sandpaper Ballet“ von Leroy Anderson setzten die Schlagzeuger Konrad Aschenbrenner und Lukas Stibich Schleifblöcke als Instrumente ein, indem sie das Sandpapier im Rhythmus aneinander reiben. Und dass fünf Tuben, wenn sie im Fortissimo spielen und dreistimmig besetzt sind, klingen können wie ein Schiffshorn, beweisen die Tieftöner der Stadtkapelle in der Komposition „Around The World in 80 Days“ von Otto M. Schwarz. Dieser verlangt den Musikern Klangeffekte ab, die kinoreif sind. Das Schiffshorn etwa gehört zu dem Dampfer, mit dem die Romanfiguren in Jules Vernes bekannten Buch „In 80 Tagen um die Welt“ den Atlantik überqueren. Die Posaunen imitieren das Tröten der Elefanten, die die Protagonisten durch Indien tragen. Ein schnell stampfender Rhythmus symbolisiert die Eisenbahn, mit der sie durch die amerikanische Prärie fahren und am Ende klingen aneinandergeschlagene Schlagzeugstöcke wie das Ticken eines Uhrwerks und der Klang der Röhrenglocken mahnt zur Eile. Als „Kino für die Ohren“ bezeichnet Moderator Anton Lottner das Stück. Lottner ist Ehrendirigent der Stadtkapelle und hat die Moderation in diesem Jahr zum ersten Mal übernommen. Dass man beim Weihnachtskonzert der Neunburger Stadtkapelle etwas über ferne Länder lernen kann, beweisen die Musiker auch mit „Jambo Africa“ aus der Feder des Schweizer Komponisten Mario Bürki: Mitten im Stück kommt ein lauter Zwischenruf aus dem Trompetenregister: „Jambo! Jambo Bwana! Habari gani?“ Und darauf die Antwort: „Mzuri sana.“ Das sei eine in Kenia gebräuchliche Grußformel, hatte Anton Lottner zuvor in seiner Anmoderation erklärt. Auf Deutsch heiße das: „Hallo! Hallo Mister! Wie geht es ihnen?“ „Sehr gut.“ Immer wieder kommen diese Worte in dem Musikstück vor – so zum Beispiel im „Jambo-Song“, den die Musiker singen und dessen Melodie Verena Sinzger mit einem mystisch anmutendem Klarinettensolo aufgreift. Seinen typisch afrikanischen Klang bekommt das Stück durch das lockere Spiel der Congatrommeln und durch die Serengeti-Klangeffekte, die die Musiker erzeugen: Zum Beispiel klingen Klarinetten, wenn man ohne Mundstück hineinbläst, wie das Brüllen einer Gnuherde. Auf das Beethoven-Jahr 2020, in dem der Komponist seinen 250. Geburtstag gefeiert hätte, stimmen die Musiker mit dem symphonischen Porträt „Ludwig!“ von James L. Hosay ein. Hosay hatte sich für diese Komposition vom Stil Beethovens inspirieren lassen, dabei aber ein komplett eigenes Musikstück für Blasorchester geschrieben. Dieses lebt von einem steten Wechsel von zärtlichen Melodien und brachialen Klangwänden. Mit der „Festive Overture“ von Satoshi Yagisawa und dem Filmmusik-Potpourri „Disney Festival“ von Toshio Mashima bringen die Musiker außerdem zwei Stücke von japanischen Komponisten auf die Bühne. Dass sie auch die traditionelle Blasmusik beherrschen, zeigen sie mit der „Weinkeller-Polka“ von Stefan Stranger, dem „Torakusu Marsch“ von Mathias Rauch und dem „Erzherzog Albrecht Marsch“ von Karel Komzák. Mit dem bekannten Weihnachtslied “Tochter Zion, freue dich” von Georg Friedrich Händel, in einem Arrangement für Blasorchster aus der Feder von Andreas Ludwig Schulte, brigen die Musiker außerdem Weihnachtsstimmung in die Halle. Auch das Jugendorchester der Stadtkapelle leistet wieder einen Beitrag zum Konzert. Für die junge Leiterin dieses 16 Musiker zählenden Ensembles, Hanna Fuß, ist es eine Premiere: Weil sie die Orchesterleitung erst im Frühjahr übernommen hat, ist es ihr erstes Weihnachtskonzert als Dirigentin. Doch sie besteht ihre Feuertaufe und das Jugendorchester bekommt für “Glorious Sight” von Johann A. P. Schulz, “The Best of Glee” von Adam Anders und Tim Davis sowie “En stjerne skinner i natt” von Tore W. Aas so viel Applaus, dass es noch eine Zugabe spielt: “Hey Jude” von den Beatles. Auf Rockmusik aus den 1960er Jahren setzt auch die Stadtkapelle in ihrem letzten Stück: Passend zum anstehenden 75. Geburtstag des Bluesrock-Gitarristen Eric Clapton spielt sie bekannte Lieder von Claptons Band Cream, die Ron Sebregts in „The Cream of Clapton“ zusammengestellt hat. Danach lassen die Musiker – so wie es das Publikum seit 38 Jahren von ihnen gewohnt ist - das Konzert mit dem bekannten Weihnachtslied „Stille Nacht“ von Franz Xaver Gruber ausklingen.