Ein Wochenende mit dem „Handy der Alpen“

Einen totes Stück Holz zum Leben zu erwecken – das ist schon etwas ganz Besonderes und „macht Spaß“, wie Ralf Denninger betont. Kein Wunder also, dass sein „Wochenende mit dem Alphorn“ beim NBMB jedes Jahr ganz schnell ausgebucht ist.

Großen Spaß hatten die Teilnehmer am „Wochenende mit dem Alphorn“ des Nordbayerischen Musikbunds mit Dozent Ralf Denninger (2. von rechts). (Foto: Andreas Kleinhenz)

Großen Spaß hatten die Teilnehmer am „Wochenende mit dem Alphorn“ des Nordbayerischen Musikbunds mit Dozent Ralf Denninger (2. von rechts). (Foto: Andreas Kleinhenz)

Gewaltige Alphornklänge verzauberten in der Bayerischen Musikakademie in Hammelburg. (Foto: Andreas Kleinhenz)

Gewaltige Alphornklänge verzauberten in der Bayerischen Musikakademie in Hammelburg. (Foto: Andreas Kleinhenz)

Einen totes Stück Holz zum Leben zu erwecken – das ist schon etwas ganz Besonderes und „macht Spaß“, wie Ralf Denninger betont. Kein Wunder also, dass sein „Wochenende mit dem Alphorn“ beim Nordbayerischen Musikbund jedes Jahr ganz schnell ausgebucht ist. Heuer waren es 25 Teilnehmer, die sich an der Bayerischen Musikakademie in Hammelburg intensiv mit dem „Handy der Alpen“ befassten. Und der Großteil von ihnen wird dem gut vier Meter langen Instrument auch treu bleiben, weiß Denninger aus Erfahrung.

Es ist schon ein Erlebnis, wenn man diesem riesigen Stück Holz zum ersten Mal einen satten, weichen Ton entlockt. Ein gutes halbes Dutzend Teilnehmer genoss diese Premiere mit einem Leihinstrument in F-Stimmung, drei von ihnen hatten sich das Wochenende zum 50. Geburtstag geschenkt, so Denninger. Obwohl so mancher noch nie ein Blasinstrument gespielt hat, schaffte jeder Einzelne ein paar Töne auf dem Alphorn, freut sich der Dozent.

Blasmusiker hatten es etwas leichter: Sie kennen sich bereits mit der Atemtechnik und – vor allem die Blechbläser – mit dem erforderlichen Ansatz aus. Das nötige „Buzzing“, also die Vibrationstechnik mit den Lippen, lernen aber auch die Holzbläser schnell. Allerdings besitzt das Alphorn keinen Blaswiderstand: „Die Luft wird einfach weggezogen, man muss ständig Luft nachschieben und das ist Schwerstarbeit“, erklärt Denninger.

Der studierte Posaunist ist Dozent für tiefe Blechblasinstrumente an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und kam zum Alphorn, weil er damit wertvolle Übezeit spart. Denn das Alphornspiel ist viel effektiver für den Ansatz, so Denninger: „Eine Stunde Alphorn entspricht in etwa drei Stunden an der Posaune“. Der Musiker aus Bad Friedrichshall ist dem alten Hirteninstrument schon vor langer Zeit verfallen, spielt bei den Unterländer Alphornbläsern, stimmt schon mal Mozart auf dem Alphorn an oder konzertiert mit einem Boogie-Woogie-Pianisten.

Neueinsteigern bringen Denninger und seine Dozentenkollegen Alfons Neumann und Steffen Burkhard zunächst die traditionellen Rufe bei. Schließlich wurde das Alphorn ursprünglich dazu entwickelt, von Berg zu Berg Nachrichten wie „Mir und dem Vieh geht es gut, wir haben genügend Vorräte“ zu übermitteln.

Allerdings wollen die Musiker bald auch bekannte Melodien spielen, wenn ihr Interesse geweckt ist, weiß Denninger. So hatten sieben Teilnehmer bereits zuvor einen Workshop besucht und sich mittlerweile ein eigenes Instrument gekauft. Sie befassten sich mit Märschen, Polkas oder Walzern. Das knappe Dutzend Fortgeschrittene, das bereits seit Jahren Alphorn spielt, holte sich vor allem Anregungen zur Verbesserung ihres Spiels und zu verschiedenen Stilistiken.

Um den Ansatz nicht überzustrapazieren, wechseln sich beim Alphorn-Wochenende Spielphasen mit Vorträgen ab. Dabei referieren die Dozenten zum Beispiel über Mundstücke, aber auch Literatur, Alphornbau und Atemtechnik. Schließlich beruht das Alphornspiel vor allem „auf dem Zusammenwirken von Atemtechnik, Muskulatur und mimischer Gesichtsmuskulatur“, erklärt Denninger.

Er freut sich, dass der Nordbayerische Musikbund jeweils „ideale Räumlichkeiten“ bereitstellt und die Organisation bestens läuft. Überhaupt gibt es bei den Wochenenden nie Probleme, weil die Musiker meist „Brüder im Geiste“ sind, sagt Denninger. Brüder ist übrigens auch deswegen treffend, weil es (noch) vor allem Männer zum Alphorn zieht…


Von: Daniela Hollrotter, Pressebeauftragte des NBMB, 15.03.2017

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