Nordbayerisches Spielleuteorchester entführt Konzertbesucher in neue Klangwelten

Bei zwei voll besetzten Konzerten konnten sich die Zuhörer überzeugen, dass Spielleutemusik nicht nur aus traditionellen Märschen besteht. „Wir wussten nicht, dass Spielleutemusik so klingen kann. Es war ein besonderes Klangerlebnis“, so die Meinung der Zuhörer am Ende der Konzerte.

Das Nordbayerische Spielleuteorchester in seinen bunten Uniformen begeisterte bei den beiden Konzerten in Grafenrheinfeld und Selb. (alle Fotos: Maria Schneeberger)

Das Nordbayerische Spielleuteorchester in seinen bunten Uniformen begeisterte bei den beiden Konzerten in Grafenrheinfeld und Selb. (alle Fotos: Maria Schneeberger)

„Ein ganz besonderes Konzert- und Klangerlebnis“, versprach der Dirigent des Nordbayerischen Spielleuteorchesters (NBSO) Christoph Ahlemeyer - und er sollte Recht behalten. Das Auswahlorchester des Nordbayerischen Musikbundes (NBMB) gratulierte dem Spielmanns- und Fanfarenzug Grafenrheinfeld zum 50 jährigen sowie dem Spielmanns- und Fanfarenzug Selb zum 60 jährigen Vereinsjubiläum. In zwei voll besetzten Konzertsälen konnten sich die mehr als 500 Konzertbesucher davon überzeugen, dass Spielleutemusik nicht nur aus traditionellen Märschen besteht, die von Flöten, Trommlern und Fanfaren gespielt werden. „Wir wussten nicht, dass Spielleutemusik so klingen kann. Es war ein besonderes Klangerlebnis“, so die Meinung der Zuhörer am Ende der Konzerte.

Bereits beim Aufzug der Musiker auf die Bühne konnte das Publikum die bunten Uniformen der Spielleute aus ihren Heimatvereinen bewundern. Nicht nur optisch machten die 45 Musikerinnen und Musiker eine gute Figur, sondern überraschten die Zuhörer auch musikalisch mit ihren Darbietungen.

Neben dem klassischen Instrumentarium der Spielleute setzten die Spielleute des NBSO u.a. Marimba- und Vibraphon, sowie Konzert- und Kesselpauken ein, um ihr Klangspektrum zu erweitern. Auch die Fanfaren erklangen mit einem aufgesteckten C-Bogen in sanfteren Tönen und begeisterten durch die neuen Möglichkeiten der Naturtonmusik. Der Klangkörper präsentierte nicht nur traditionelle Spielleutemusik, sondern auch moderne Kompositionen für ihre Besetzung und bescherte den Anwesenden einen abwechslungsreichen Abend.

Der gebürtige Westfale Christoph Ahlemeyer stellte dabei die dargebotenen Werke und ihre Komponisten gekonnt vor und klärte nicht nur über musiktechnische und historische Hintergründe auf, sondern belegte sogar mit Witz und Charme den „nicht so großen Unterschied zwischen den Westfalen und Franken“. Dank seine anschaulichen Ausführungen schaffte er es, den Zuhörern die passenden Szenen zur Musik vor ihr inneres Auge zu führen. So entführten die Musiker die Konzertbesucher mit ihren Klängen zu Schützenfesten incl. Schlägerei, Bayerischen Tänzen, Jagden und Schlachten. Ebenso entführten sie ihr Publikum mit ihren Melodien gekonnt über die Bergwelt der Anden und zu den Stepptänzern aus Irland. Es gelang ihnen sogar mit leeren Plastikflaschen und Percussioninstrumenten den heißen Wüstensand der Sahara durch die Konzertsäle wehen zulassen.

Der Präsident des NBMB, Manfred Ländner, lobte stolz seine Spielleute, „ein musikalischer Genuss“, und ließ es sich nicht nehmen, dieses besondere Konzert zu erleben. Einige Konzertbesucher, die eher traditionelle Marschmusik erwartet haben, waren sehr überrascht und begeistert von der konzertanten, melodiösen Seite, die die Spielleutemusik zu bieten hat.

Zum Abschluss der Konzertreihe dankten die Musiker des NBSO dem langjährigen Bundesreferenten der Spielleute im NBMB, Alois Schneeberger, der sich von seinem Amt zurückziehen möchte, um Platz für „frischen Wind“ zu machen. Mit Standing Ovations zeigten sie großen Respekt und Anerkennung für seine geleistete Arbeit und seinen Einsatz für die Spielleute im Verband.

1982 wurde das NBSO unter dem Namen Stabführerkorps gegründet und diente in erster Linie der Weiterbildung der Stabführer und Ausbilder. In den folgenden Jahren entwickelten sie sich zum ausgewachsenen Orchester. Dem NBSO gehören derzeit engagierte Spielleute aus zwölf Spielmanns- und Fanfarenzügen des NBMB aus ganz Franken und der Oberpfalz an. Sie treffen sich zu regelmäßigen Probenphasen mit renommierten Dozenten, um ein anspruchsvolles Programm einzustudieren. Für Dirigent Christoph Ahlemeyer ist es jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung die verschiedenen Musiker aus den unterschiedlichen Vereinen zu einem harmonischen Klangkörper zu formen, da einige Spielleute aus ihren Heimatvereinen konzertante Klänge oder gar die Orchestergröße nicht gewohnt sind. Spielleute aus allen Vereinen im Verbandsgebiet sind herzlich dazu eingeladen, beim NBSO mitzuspielen und können gerne bei der nächsten Probenphase vom 16.-18. März 2018 in der Musikakademie Alteglofsheim teilnehmen.

„Wir wollen Wegweiser und Vorbild für die Spielmannszüge im NBMB sein. Mit unserer Besetzung und unseren Darbietungen die Vereine inspirieren, unsere Zuhörer begeistern und die Möglichkeiten zeitgemäßer Spielleutemusik aufzeigen", so beschreibt Dirigent Christoph Ahlemeyer das Kernziel des Orchesters - und das ist ihnen gelungen. 


Von: Silke Johanni, 24.11.2017

« zurück

Nach oben