Neu in Nordbayern: Try-Out-Wertungsspiele

Wertungsspiele zum Ausprobieren – das bietet der NBMB ab dem kommenden Jahr an. Ganz ohne Leistungsdruck können Blasorchester dabei alle Vorteile des Wertungsspiels nutzen. Außerdem soll es Preise für Newcomer und Dirigentengespräche mit dem ganzen Orchester geben.

Einen Tag lang befassten sich Dirigenten, Vorsitzende, Funktionäre und Mitglieder der Geschäftsstelle des NBMB mit dem Thema Wertungsspiel bei einem Symposium in Bamberg. Foto: Daniela Hollrotter

Einen Tag lang befassten sich Dirigenten, Vorsitzende, Funktionäre und Mitglieder der Geschäftsstelle des NBMB mit dem Thema Wertungsspiel bei einem Symposium in Bamberg. Foto: Daniela Hollrotter

Wertungsspiele zum Ausprobieren – das bietet der Nordbayerische Musikbund (NBMB) ab dem kommenden Jahr an. Ganz ohne Leistungs- und Konkurrenzdruck können Blasorchester dabei alle Vorteile des Wertungsspiels – vom Coaching bis zum Zuschuss – nutzen. Außerdem soll es Preise für Newcomer, Dirigentengespräche mit dem ganzen Orchester und auf lange Sicht einen Leitfaden zur Vorbereitung auf Wertungsspiele geben. Damit will der NBMB Wertungsspiele attraktiver machen und weitere Orchester zum Teilnahme motivieren.

Das „Try-Out-Wertungsspiel“ soll bereits bei allen Wertungsspielen in 2018 angeboten werden. Die Orchester erhalten dabei zwar keine Punkte. Ansonsten jedoch sind die Modalitäten und der Ablauf gleich wie bei allen Wertungsspielen: Die Orchester können ein Coaching des NBMB in Anspruch nehmen, wählen ihr Pflicht- und Wahlstück und tragen diese beim Wertungsspiel den Juroren vor. Danach erfolgt ein Dirigentengespräch und es gibt die üblichen Zuschüsse.

Bei den Wertungsspielen in Fensterbach, Ebensfeld und Dietenhofen werden zudem erstmals Dirigentengespräche mit dem gesamten Orchester angeboten. Außerdem sollen Musikvereine, die erstmals oder nach längerer Pause wieder an einem Wertungsspiel teilnehmen, mit einer kleinen Anerkennung geehrt werden – ganz unabhängig von der Bewertung.

Auf mittlere Sicht wird der NBMB einen Leitfaden zur Vorbereitung auf Wertungsspiele erstellen. Daran wollen Dirigenten, Wertungsrichter und die Geschäftsstelle gemeinsam arbeiten. Der Leitfaden wird allen Orchestern im Musikbund zur Verfügung gestellt, außerdem sind dazu entsprechende Schulungen geplant.

Mit all diesen Maßnahmen will der Nordbayerische Musikbund wieder mehr Orchester für die Teilnahme an Wertungsspielen gewinnen und die Wertungsspiele wieder „dahin führen, wo sie einmal waren“, wie es Bundesdirigent Ernst Oestreicher formulierte. Er war mit rund 20 Dirigenten, Vorsitzenden, Funktionären und Mitgliedern der Geschäftsstelle nach Bamberg gereist, um sich dort einen Tag lang des „spannenden Themas“ Wertungsspiele zu widmen.

Unter der Leitung von Mediatorin Angelika Keller sammelten die Symposium-Teilnehmer zunächst Kernkompetenzen, die in der Vergangenheit für Erfolge gesorgt hatten. Da wurde zum einen die Fachkompetenz, aber auch Leidenschaft, Begeisterungsfähigkeit, Überzeugungskraft und Leistungsbereitschaft des Dirigenten genannt, der dann Musiker und Vorsitzende mitreißt.

Wichtig ist es, dem Orchester Sinn und Zweck des Wertungsspiels zu erläutern: Es ist vor allem pädagogisch ausgerichtet und soll das Orchester musikalisch voranbringen – nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“.  Das ist nach einer telefonischen Dirigentenbefragung des NBMB auch der Hauptgrund für die Orchesterleiter, an Wertungsspielen teilzunehmen.

Ein Wertungsspiel fördert jedoch auch die Gemeinschaft und das Bilden vorn Freundschaften  – über Probentage und -wochenenden, die gemeinsame Fahrt zum Wertungsspiel, aber auch bei einem Rahmenprogramm zum Wertungsspiel, das sich ein Großteil der Befragten im Interview gewünscht hatte. Das Wertungsspiel „als Erlebnis“ war in der Vergangenheit erfolgreich.

Als Kernkompetenzen nannten anwesende Dirigenten und Vorsitzende aber auch die Wertschätzung und Anerkennung der Musiker. Wenn sie für ihre Leistungen entsprechend gewürdigt werden, also auch für eine erfolgreiche Wertungsspielteilnahme, macht das Lust auf mehr. In diesem Sinne positiv ist die Teilnahme der Musiker am Wertungsgespräch zu sehen.

Wichtige Faktoren sind zudem Aktivitäten für Kinder und Jugendliche sowie eine öffentliche Würdigung von deren Leistung (D-Prüfung), auch in der Presse. Schließlich kämpfen laut Telefonumfrage sehr viele Vereine mit dem zunehmenden Freizeitangebot für die Jugend und die starke Konkurrenz durch den Sport, der schnelle Erfolgserlebnisse, bekannte Idole und mehr Außenwirksamkeit zu bieten hat.

Im Anschluss entwickelten Dirigenten, Vorsitzende, Funktionäre und die Geschäftsstelle getrennt voneinander Ideen dazu, wie Orchester (wieder) zur Wertungsspielteilnahme motiviert werden können. Die eingangs genannten Maßnahmen, die 2018 bereits umgesetzt werden, schlugen sowohl Geschäftsstelle als auch Vorsitzende vor.

Letztere wünschten sich zudem, dass die Wertungsspiele wieder zum „Event“ werden – mit Möglichkeiten zur Begegnung mit anderen Kapellen, einem Forum für Funktionäre, bei der der Verband „sein Gesicht“ zeigen kann, mit einer musikalischen Session, einem „Publikumspreis“ und einer entsprechenden Berichterstattung in der regionalen Presse.

Die Dirigenten brachten Probenhospitationen bei Orchestern, die sich auf Wertungsspiele vorbereiten, ins Spiel. Sie regten zudem „Juroren mobil“ als Vorstufe zum Wertungsspiel an: Dabei könnten Juroren zum (gemeinsamen) Konzert einer oder mehreren Kapellen kommen und einige Stücke bewerten – in entspannterer Atmosphäre als beim Wertungsspiel selbst. Ähnliches wird bereits mit gemischtem Erfolg im Musikbund von Ober- und Niederbayern unter dem Motto „Konzert als Wertungsspiel vor Ort“ praktiziert, erläuterte dazu Landesdirigent Frank Elbert.

Die Funktionäre wünschten sich mehr Informationsveranstaltungen, zum Beispiel auf Kreisebene, um die Hemmschwelle zur Wertungsspielteilnahme zu senken. Außerdem sollte es mehr Anerkennung geben – etwa Sonderzuschüsse oder Ehrungen für regelmäßige Teilnahme und mehr Berichte (auch zu Best Practice) in den Medien.

Ein Thema war die Sensibilisierung der Juroren für die Probleme im Laienmusikbereich. Hierzu hatte es auch in den Telefoninterviews einige kritische Anmerkungen gegeben. Die Geschäftsstelle brachte einen möglichen Rückmeldebogen für Wertungsgespräche ins Spiel, Bundesdirigent Oestreicher empfahl zudem, sich im Fall des Falles an ihn oder die Wertungsspielbeauftragte Tanja Berthold zu wenden.

Am Ende des Symposiums freute sich Benedikt Schaut über die vielen, umsetzbaren Anregungen aus den Reihen der Teilnehmer. Für ihn und Verbandsgeschäftsführer Andreas Kleinhenz war das Symposium „eine Herzensangelegenheit“. Schließlich ist Kleinhenz ein „vehementer Verfechter der Wertungsspiele, weil sie für die Weiterentwicklung der Orchester unverzichtbar sind“. 


Von: Daniela Hollrotter, Pressebeauftragte des NBMB, 25.11.2017

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