Musiker-Nachwuchsgewinnung stand im Fokus

Der Kreisverband Kronach im Nordbayerischen Musikbund (NBMB) lud zu einer außerordentlichen Versammlung zum Thema Nachwuchsgewinnung. Im Gemeindehaus Hesselbach stellten sechs Mitgliedsvereine ihr Ausbildungskonzept vor.

Verschiedene Konzepte - ein Ziel: Mit der Nachwuchsgewinnung nahm sich der NBMB-Kreisverband Kronach eines für die Zukunft seiner Kapellen und Orchester existenziell wichtigen Themas an. An der Zusammenkunft nahmen Vertreter von 25 der knapp 50 Mitgliedsvereine teil.

„Wir brauchen alle unsere Kapellen, um das gesellschaftliche Leben in den Gemeinden aufrecht zu erhalten. Dies ist unsere vordringlichste Aufgabe“, verdeutlichte NBMB-Kreisvorsitzender Wolfgang Müller. Die Aussage, es gebe keine Kinder mehr, erachte er als Ausrede oder Alibi von Vereinen, die keine oder eine nur sehr eingeschränkte Ausbildungsarbeit betrieben. Anders als noch vor 30 Jahren kämen die Kinder heute nicht mehr von sich aus, um ein Instrument zu lernen. Vielmehr müsse man nunmehr als Verein um Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene werben. Die Statistik zeige einen kontinuierlichen Anstieg des Altersdurchschnitts der Musiker/innen im Landkreis. „Teilweise ist es in den Kapellen nicht mehr fünf vor, sondern schon fünf nach zwölf“, appellierte Müller, dass der Erhalt der Vereine vordinglichste Aufgabe jedes Vorsitzenden sowie Dirigenten sei. Das Über-Wasser-halten mit Aushilfen oder der Zusammenschluss mehrerer Kapellen stelle nur eine kurzfristige Lösung dar und führe letztlich dazu, dass sie von der Bildfläche verschwänden. Notwendig sei eine kontinuierliche Nachwuchsarbeit.

Wie dies aussehen kann, zeigten anschließend die Vertreter von sechs Musikvereinen, die ihre Ausbildungskonzepte anschaulich vorstellten. Allen gemein war, dass die Vereine gezielt auf Kinder ab dem Grundschulalter zugehen. Man initiiert Schnuppernachmittage oder Instrumentenkreisel. Man wirbt über Flyer, Neue Medien und putzt Klinken. Auch außermusikalisch wird den Kids einiges mit gemeinsamen Ausflügen, Schwimmbadbesuchen etc. geboten. Einig war man sich, dass der Nachwuchs - als Motivationsschub - möglichst bald und oft sein Können bei Auftritten demonstrieren solle.

Der Musikverein (MV) Hesselbach, der die Versammlung ausrichtete, initiierte seit 2007 drei - jeweils über drei Jahre laufende - Bläserklassen; zunächst nur mit Kindern aus Hesselbach und Lahm, später auch aus Wilhelmsthal. Die dritte Bläserklasse erfolgte in Kooperation mit der Grundschule Wilhelmsthal mit Kids auch aus Steinberg, Effelter und Tschirn. Insgesamt konnte man, freute sich Vorsitzender Ralf Welsch, elf von ihnen in den MV Hesselbach integrieren. Markus Hofmann, ehemaliger langjähriger musikalischer Leiter der Wickendorfer Musikanten, empfahl die musikalische Früherziehung in der Orchesterschule Pressig-Stockheim oder in der Sing- und Musikschule Kronach. Musikalische Grundlagen könne man - seiner Meinung nach - vereinsintern im Gruppenunterricht vermitteln. Der Musikunterricht am Instrument jedoch sollte als Einzelunterricht erfolgen. Zwecks Heranführung an die Stammkapelle erachtete er die Gründung einer weiteren Kapelle aus Jungmusikanten, gespickt mit Routiniers, als sinnvoll. Die Blaskapelle Ebersdorf betreibt die Nachwuchsarbeit für alle Musikvereine der Großgemeinde Ludwigsstadt. Dabei setzt man - so Andreas Rentsch, seit 1998 Dirigent der Blaskapelle - auf drei Säulen: eine Bläserklasse ab der 3. Klasse in Kooperation mit der Grundschule Ludwigsstadt, die Blasmusikrookies ELLLS ab der 5. Klasse sowie - abhängig vom Leistungsstand - die Integration in die Blasorchester. „Der Nachwuchs ist da. Aber viele junge Erwachsene siedeln sich später am Arbeitsplatz an“, zeigte er sich realistisch.

Beim MV Birnbaum erfolgt die Jugendweise „schubweise“, erklärte Dirigent Michael Deuerling. Ein großes Plus des Orts sei es, dass die Einwohner sehr mit ihm verbunden seien und die Vereine zusammen arbeiteten. Von den 360 Einwohnern sind über die Hälfte Vereinsmitglied. Man zählt 35 Aktive. Angestrebt wird eine frühe Integration in den Verein. Das Miteinander sei geprägt von Demokratie und Respekt. „Der Dirigent und der Vorstand sind keine Vorgesetzten, sondern Freunde“, betonte er. Von 1997 bis heuer war Eugen Rebhan Vorsitzender des MV Neukenroth. Mittlerweile ist er organisatorischer Leiter der Orchesterschule Pressig-Stockheim. Mit der Jugendwerbung habe man in Neukenroth 1992 begonnen, nachdem man mit sieben Aktiven nicht mehr spielfähig gewesen sei. „Die Jugendarbeit ist wichtigstes Thema im Verein. Man darf nicht nachlassen“, beschwor er. Heute habe man 48 Aktive, davon 14 in Ausbildung. Die Pimphoniker - Kinder- und Jugendblasorchester des Vereins - übten leichte Musikstücke ein. Nach Bestehen des Bronze-Abzeichens werden sie in die Stammkapelle integriert. Über 45 Aktive, davon 18 in der Ausbildung, verfügt - so Alexander Schmidt - der MV Frankenwald Windheim. Nach etwa zwei, drei Jahren Ausbildung werde der Nachwuchs in das Vororchester und nach weiteren zwei, drei Jahren sowie Bestehen der D1-Prüfung ins Stammorchester integriert. „Die Prognose für die Zukunft ist gut. Zurzeit haben wir viel Nachwuchs“, freute er sich. Allerdings sei das Risiko hoch, dass viele später den Landkreis verlassen oder sich ihre Interessen änderten. Ergänzend zu den Ausführungen verwies Elke Buckreus vom Jugendorchester Kronach, zugleich Musiklehrerin an der Siegmund-Loewe-Schule, auf die Bläserklassen an ihrer Realschule. Diese seien ein gutes und sehr günstiges Zusatz-Angebot für Kids mit Vorkenntnissen, aber auch ohne.

Einen Überblick über die Struktur der Ebenen des NBMB gab stellvertretender Kreisvorsitzender Alexander Klug. „Der Kreisverband wird älter“, konstatierte er. Der Altersdurchschnitt beträgt derzeit 32,4 Jahre. Klug verwies auf die vielen Fortbildungs-Angebote des NBM, die es besser zu nutzen gelte. Eine Lanze brach er insbesondere für die Mitwirkung beim Kreis- und Bezirksauswahlorchester. In die gleiche Kerbe schlug Kreisdirigent Roman Steiger. Dieser legte den Anwesenden vereinsinterne Satzprobentage ans Herz sowie die Teilnahme an Wertungsspielen. Bereits jetzt lud er zum Konzert der beiden Kreisorchester am 3. November in die Kronachtalhalle Steinberg ein. Die Jahreshauptversammlung des Kreisverbands ist am 24. November im „Wagners“ Hotel in Steinwiesen sowie das Jubiläumskonzert „30 Jahre Bezirksorchester Oberfranken“ am 16. Februar 2019 in der Konzerthalle Bamberg. hs


Von: Heike Schülein

« zurück

Nach oben