Kulturarbeit für eine funktionierende Gesellschaft

Klausurtagung des Bezirksvorstands im Nordbayerischen Musikbund in Cham – Weiterbildung im Vordergrund | Die Blasmusik ist ein gutes Beispiel für den Stellenwert der Kulturarbeit in der Gesellschaft, meinte am Samstagnachmittag Bezirkstagspräsident und Landrat Franz Löffler, zum Auftakt der jährlichen Klausurtagung des Bezirksvorstands Oberpfalz des Nordbayerischen Musikbundes (NBMB) und betonte seine Achtung gegenüber der Arbeit des Musikbundes

NBMB-Bezirksvorsitzender Gerhard Engel begrüßt die Tagungsteilnehmer.

BV Gerhard Engel (stehend) bat die Politiker, Bezirkstagspräsident Franz Löffler, Bürgermeisterin und Bezirksrätin Karin Bucher sowie MdL Dr. Karl Vetter weiterhin um Unterstützung des Kulturarbeit, was diese zusagten.

Bezirkstagspräsident Franz Löffler (links), Bürgermeisterin und Bezirksrätin Karin Bucher (rechts) sowie MdL Dr. Karl Vetter (2.v.rechts)

Tagungsteilnehmer mit Ehegatten/in und Partner/in

Tagungsteilnehmer

Herzerfrischende Musik machte "De kloane Blosmuse" mit NBMB-Kreisvorsitzendem Sepp Blaha (rechts) zur Begrüßung der Gäste.

Klausurtagung des Bezirksvorstands im Nordbayerischen Musikbund in Cham – Weiterbildung im Vordergrund

CHAM (hh/chi). Die Blasmusik sei ein gutes Beispiel für den Stellenwert der Kulturarbeit in der Gesellschaft, meinte am Samstagnachmittag Bezirkstagspräsident und Landrat Franz Löffler, als er im Chamer „Hotel am Regenbogen“ zum Auftakt der jährlichen Klausurtagung des Bezirksvorstands Oberpfalz des Nordbayerischen Musikbundes (NBMB) seine Achtung gegenüber der Arbeit des Musikbundes betonte und weitere Unterstützung seitens des Bezirkstags zusagte. Ohne diese finanzielle Hilfe durch den Bezirk könnte der NBMB-Bezirksverband vor allem in der musikalischen Bildung nicht so erfolgreich arbeiten, wie bei der zweitägigen Tagung immer wieder deutlich wurde.
Mit „butterweicher“ und dabei herzhafter Blasmusik durch „De kloane Blosmuse“ wurden die recht zahlreichen Teilnehmer und Ehrengäste der Klausurtagung begrüßt, ehe der NBMB-Bezirksvorsitzende der Oberpfalz, Gerhard Engel, unter ihnen Landrat Franz Löffler, der für den Musikbund als Bezirkstagspräsident noch bedeutender ist, Chams Bürgermeisterin Karin Bucher, Landtagsabgeordneten Dr. Karl Vetter und seinen Vorgänger Ex-MdB Klaus Hofbauer willkommen hieß. Kurz stellte er den Gästen den Musikbund vor, der heuer sein 60-jähriges Bestehen feiern könne und die vier nordbayerischen Regierungsbezirke umfasse (Franken und die Oberpfalz). Rund 44000 Musiker in etwa 960 Musikvereinen seien darin vereint, wobei der Oberpfälzer Bezirk zwar einer der beiden kleineren (neben Mittelfranken), aber musikalisch und organisatorisch erfolgreich sei. Etwa 8150 Musiker seien im Bezirksverband in 165 Vereinen/Kapellen organisiert, rund die Hälfte davon Jugendliche unter 18 Jahren.
Als Aufgaben und Zielsetzungen des Musikbundes nannte Engel unter anderem die Gewinnung von Nachwuchs und die musikalische Seniorenarbeit, die Pflege der Laienmusik, im Besonderen der Blasmusik, wie der regionalen Kultur allgemein, aber auch die Völkerverständigung.  Neben der Organisation von Schulungen und Ausbildungen, Wettbewerben und Konzerten sei Aufgabe des Bezirksvorstands vor allem die Organisation der D-Prüfungen, aber auch die überörtliche musikalische Ausbildung und Zusammenarbeit, etwa im Bezirksjugendorchester, das heuer 25 Jahre besteht und dies mit einem Konzert in der Nordgauhalle in Nabburg feiert, oder dem Bezirksorchester, das Blasorchestermusik auf höchstem Niveau spiele.
Thema für den Musikbund bleibe die Künstlersozialkasse, KSK, bei der leider keine Änderung durch den Gesetzgeber und wahrscheinlich hohe Kosten für einige Vereine zu erwarten seien. Der Bezirksvorsitzende bat die Politiker, auch weiter ein offenes Ohr für die Belange des Musikbundes zu haben und im Landtag parteiübergreifend zusammenzuarbeiten, wenn es um die Förderung der regionalen Kultur geht, und auch die ehrenamtliche Arbeit noch mehr zu unterstützen.
Bezirkstagspräsident Franz Löffler ging auf den hohen Anteil junger Musiker in den Oberpfälzer Blaskapellen ein und meinte, dieser sei „der Kern der ganzen Sache“. Denn sie als Politiker könnten nicht Geld für Bereiche ausgeben, die trotz Förderung keine Zukunft haben. Doch für den NBMB-Bezirksverband sei der Bezirk ein guter Partner, der dessen Arbeit nicht nur zu schätzen wisse, sondern auch finanzielle unterstütze. Dies geschehe einmal durch den direkten Zuschuss für die Bildungsarbeit des Verbands, zum anderen durch die Trägerschaft für die Berufsfachschule für Musik Sulzbach-Rosenberg. Außerdem gebe es Zuschüsse vom Bezirk etwa für Mangelinstrumente oder bei der Beschaffung von Trachten für die Blaskapellen.
Er sehe die Blasmusik als gutes Beispiel für die Wirkung von Kulturarbeit in der Gesellschaft, so Löffler. „Wo Kulturabeit funktioniert, funktioniert in weiten Teilen auch die Gesellschaft“, ist der Landrat überzeugt. Wenn man als einer im Ehrenamt Tätiger sich dieses bewusst mache, dann könne man seine Arbeit besser einschätzen und mehr schätzen. Gottseidank könne man bei uns noch feststellen, dass die Kulturarbeit als Teil der Gesellschaft akzeptiert sei. Für ihre Arbeit, die sich ja nicht nur auf die Organisation von Fortbildungsmaßnahmen oder in den Vereinen beschränke, sagte Löffler den Verantwortlichen im Musikbund ein „Vergelt’s Gott“.
Chams Bürgermeisterin Karin Bucher freute sich zunächst, dass so eine überregionale Veranstaltung in Cham stattfindet, und stellte dann ihre Stadt als schulisches, Behörden-, und wirtschaftliches Zentrum nicht nur des Landkreises vor. Stolz sei sie auf das kulturelle Leben in der Stadt, das ein Teil der Gäste am Nachmittag bei einer der themenbezogenen Stadtführungen unter dem Thema „Leben, Lieben, Leidenschaften“ mit eingebauten Spielszenen erleben könnten. Es sei nicht immer leicht, Geld für kulturelle Dinge im Stadtrat frei zu bekommen, doch mache sie stets klar, dass ein Kulturangebot auch einen wirtschaftlichen Aspekt habe: „Nur wegen unserer schönen Landschaft kommt keiner zum Arbeiten zu uns“, ist sie sich sicher. Eine regional geprägte Kulturszene diene auch der Identitätsfindung der Bevölkerung und könne sie stolz machen. „Und wer stolz auf seine Heimat ist, der bleibt auch hier“, hofft die Bürgermeisterin.
Landtagsabgeordneter Dr. Karl Vetter erzählte von seinen eigenen Erfahrungen mit der Musik. Als Kind habe er Geige und Klavier spielen „lernen müssen“ und dies naturgemäß deshalb verabscheut. Erst vor etwa zehn Jahren habe er sich einen gebrauchten Flügel zugelegt, und wenn er jetzt aus dem Landtag zurückkomme, setze er sich oft daran und „klimpere ein wenig rum“. Danach sei er entspannt und habe den Stress der Woche vergessen. Mit Richard Wagner könne er also sagen: „Die Musik ist der Atem der Seele.“ Nach dieser Einführung zog sich der Bezirksverbandsvorstand zur Klausur zurück und hörte zuerst die Berichte der Kreisvorsitzenden aus ihren Kreisverbänden an, wobei man sich immer wieder Anregungen von den anderen holen konnte. In der Bezirksjugendleitung gibt es noch immer Probleme, Aktivitäten zu organisieren. Einmal haben noch nicht alle Kreisverbände eine funktionierende Jugendvertretung, zum anderen fanden die geplanten Vorhaben nicht genügend Zuspruch seitens der Jugendlichen. Doch es soll an beiden Problemfeldern weiter gearbeitet werden und die Gestaltung eines Abends bei der „Bläserwoche“ sei doch ein voller Erfolg gewesen.
Von den Bezirksensembles macht nur die Bigband ein wenig Sorgen, aber auch sie hat bereits wieder einen ersten Probentag hinter sich. Bezirksjugendorchester (Bläserwoche) und Bezirksorchester sind derzeit sehr erfolgreich, bei den „Großen“ hat der neue Dirigent Wunderle für frischen Schwung gesorgt. Beim Kammermusikwettbewerb haben die Teams aus der Oberpfalz nach den Erfolgen auf Bezirksebene auf Landesebene doch einen Dämpfer hinnehmen müssen, eine geplante Mischgruppe zog sich zurück. Diese Art der Blasmusik wird in den hiesigen Kapellen noch zu wenig ausgeübt, um auch auf Landesebene erfolgreich sein zu können. Da will der Bezirksverband noch Werbung betreiben.
Auch Workshops sind geplant oder angedacht, berichtete Benedikt Boßle, etwa eine Fortbildung für Ausbilder, die Vorbereitungskurse für die D-Prüfungen, ein Seminar „Grundlagen des Instrumentalunterrichts für ‚Hilfsausbilder‘“, ein „Blechbläsermeeting“ für hohes und tiefes Blech sowie Holzinstrumente und auch Workshops für einzelne Instrumente. Über die Ergebnisse der D1/D2-Prüfungen 2011 berichtete Bezirksjugendreferent Robert Eichenseer und konnte mit stattlichen Teilnehmerzahlen aufwarten. Die Erfolgsquote ist aber noch ausbaufähig. Bezirksschatzmeisterin Conny Sperlich zeigte jedoch auf, dass die Kosten wegen gestiegener Dozentenhonorare um 40 Prozent gestiegen seien und so in anderen Bereichen noch mehr gespart werden müsse.
Am Sonntag wurden die Jahresversammlung des NBMB-Bezirksverbands mit Neuwahlen am 26. Februar vorbereitet, der Entwurf einer neuen Bezirksordnung diskutiert, Musikfeste im Bezirksverband und das NBMB-Jubiläum und das der Bläserjugend (20 Jahre) mit einem großen Fest in Bamberg im Oktober angesprochen und feststehende Termine bzw. Überlegungen zu Veranstaltungen des Bezirksverbands besprochen. Auch das neue Mitgliederverwaltungsprogramm des NBMB und seine Erweiterung um eine Vereinsverwaltung wurden von Sepp Ferstl, Internetbeauftragter, vorgestellt. Schließlich hatte NBMB-Kreisvorsitzender Sepp Blaha noch ein Geschenk für alle Musiker des NBMB: Der Chamer Unternehmer Michael Braun hat dem Musikbund einen ihm gewidmeten Marsch zur kostenlosen Nutzung bereit gestellt, den sich die Kapellen aus dem Internet herunterladen können. Auch so kann Kultursponsoring ausschauen.


Von: stvMedienbeauftragter Holder Hierl, Jan 2012

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