Die Individualität des Beckenschlags

NBMB-Bezirk bot Schlagzeuger-Seminar – „Egerländer“ Holger Müller überzeugte mit Kenntnis, Können und Humor

Bei aller sachkundigen Information immer zu einer Gaudi aufgelegt war Dozent Holger Müller.

Ein Beckentusch von Jung und Älter für den Dozenten.

Auch das Zubehör des Schlagzeugs ist wichtig für den Klang von Trommel oder Becken, machte Holger Müller etwa an der Einstellung des Pedals für die große Trommel deutlich.

OBERPFALZ/RODING. (chi) Die Rolle eines Schlagzeugers in einem Blasorchester, vor allem aber auch seine Möglichkeiten, einen Orchesterklang zu beeinflussen, werden oft unterschätzt. Doch hat er nicht nur als der Rhythmusgeber eine „tragende Rolle“ im Ensemble, vielmehr hat er auch eine Unzahl an verschiedenen Instrumenten mit den entsprechenden Accessoires zur Verfügung, um gewisse Stimmungen zu erzeugen oder zu verstärken. Dies wurde bei einem Workshop des Bezirksverbands Oberpfalz im Nordbayerischen Musikbund (NBMB) am vergangenen Wochenende in der Rodinger Stadthalle mit einem wahren Kenner des Fachs, Holger Müller von den „Egerländer Musikanten“, deutlich, der kenntnisreich und humorvoll selbst erfahrenen Schlagzeugern noch viel Neues erklärte.

Mit derartigen Workshops unterstützt der NBMB-Bezirksverband seine Mitgliedsvereine bei der Qualitätssicherung und -steigerung in ihren Blasorchestern, indem er Koryphäen der jeweiligen Sparte als Dozenten engagiert, die die Ausbildung in den Vereinen noch ergänzen. Den Workshop in Roding hatte Martina Ferstl, stv. Bezirks- und Kreisdirigentin Cham des NBMB, initiiert und organisiert und war auch selber fast die ganze Zeit vor Ort.

24 Schlagzeuger aus der ganzen Oberpfalz ließen sich dieses Zweitageseminar nicht entgehen und wollten den „böhmischen Groove“ von Holger Müller erlernen. Doch blieb der nicht beim einfachen Üben typischer Schlagmuster, sondern ging auch in die Tiefe und erklärte den interessierten Musikern vieles über die Wirkung und die Einsatzmöglichkeiten der verschiedenen Schlaginstrumente, nicht nur für die böhmische Polka.

Da ging es etwa am Samstagnachmittag, direkt nach dem Mittagessen, im Endspurt des Seminars noch um die großen Becken. Sie sollten lieber nicht so glänzen, sondern noch die handgehämmerten zeigen und dafür einen volleren Klang haben. Auch die verschiedenen Formen des Beckenschlags demonstrierte Holger Müller und ließ sie Schlagzeuger einzeln üben, bis es gut klappte. Und nach dem Zusammenschlagen der Becken kommt es auch auf die Haltung der beiden Schalen an, welchen Klang sie in den Raum abgeben und wie dieser unterschiedliche Schall bewusst eingesetzt werden kann.

Natürlich wurden nicht nur die Becken behandelt, es ging auch um grundlegende Techniken des Stimmens der Instrumente und damit das Erzeugen von besonderen Klangeigenschaften für unterschiedliche Musikrichtungen oder um verschiedene Schlagtechniken und die Auswahl der Schlegel, auch für das Pedal der großen Trommel, bei dem etwa auch der Aufprallwinkel aufs Trommelfell für den Klang wichtig ist, um das Spielen als einzelner Schlagzeuger oder im Zusammenspiel mit einem oder zwei Kollegen und nicht zuletzt um die Sensibilisierung für den „böhmischen Groove“, also den speziellen böhmischen Rhythmus und Klang bei Polka und Walzer.

Die Teilnehmer folgten auch gegen Ende des Workshops am Samstagnachmittag noch gebannt den Ausführungen des versierten Dozenten, der Fachwissen mit unterhaltsamem Erzählen verband, und konnten viel Wissen mit nach Hause in ihre Kapellen nehmen. Hoffentlich bekommen sie nun auch die Möglichkeit, ihre neuen Erkenntnisse gewinnbringend in den Blasorchestern einzusetzen.


Von: Holder Hierl, 25.11.2019

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